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Temperatursensor einer Canon DSLR auslesen

Details

Für Hobbyastrophotographen ist es -in der digitalen Photographie- sehr wichtig, über die genaue Temperatur des Aufnahmechips Bescheid zu wissen.

Eine komfortable Möglichkeit für Nutzer einer Canon DSLR (ab Version 450D) beschreibt dieser Beitrag:

In Einzelbildern ist ein deutliches Rauschen zu erkennen, welches viele verschiedene Quellen besitzt.

Das thermische Rauschen ist dabei (bei normaler Umgebungstemperatur) das prägnanteste. Es ist sehr stark von der Temperatur des CCD/ CMOS – Chips abhängig; so verdoppelt sich ungefähr das Rauschen bei einem Anstieg der Chiptemperatur um 7K.

Um ein möglichst hohen Signal-Rauschabstand zu erzielen, gibt es etliche Methoden, die zwei wichtigsten sind:

-      die Kamera (den Chip) kühlen

-      viele lange Belichtungen anfertigen und diese später mitteln (siehe „Stacking“)

Eine lange Belichtungszeit bringt jedoch etliche Nachteile mit sich. So sind auf den Bildern wärmere Bereiche des Sensors heller (siehe „Verstärkerglühen“) und defekte Pixel (siehe „Hotpixel“) treten auf. Je länger eine einzelne Belichtung ist, desto deutlicher werden die einzelnen Effekte; auch die Temperatur des Chips spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Alle Effekte die systemisch sind (also nicht statistisch verteilt sind) lassen sich durch Verrechnung mit Korrekturbilder (Flats, Bias, etc.) wie z.B. den Darks korrigieren. Dabei ist es sehr wichtig, dass die zur Korrektur verwendeten Darks nicht nur zur Belichtungszeit und ISO-Zahl passen, sondern auch zur Temperatur des Chips!

Die einfachste Möglichkeit ist es direkt im Anschluss an die Belichtung ein Dark zu machen; dies hat jedoch den Nachteil, dass man seine ohnehin begrenze Zeit für das Anfertigen von Darks verplempert, sodass sich die nutzbare Zeit ungefähr halbiert. Eine andere Möglichkeit ist das Anfertigen einer Dark-Bibliothek, für diese MUSS jedoch die Aufnahmetemperatur bekannt sein!

Eine Möglichkeit ist es die Außentemperatur zu loggen; allerdings kann die reale Chiptemperatur durch Aufheizung stark von gemessenen Temperatur abweichen. Die genaueste Möglichkeit ist einen Temperatursensor direkt am Chip anzubringen; jedoch ist hierzu ein Umbau (und somit Garantieverlust) der Cam nötig.

Die –in meinen Augen- beste Möglichkeit ist die nun im Folgenden beschriebe Methode. Diese macht sich zu Nutze, dass die EOS sowieso in den Exifs die Kameratemperatur versteckt, sodass sich recht einfach eine Dark-Bibliothek anlegen lässt und ebenfalls auf eine Messung der Temperatur beim Erstellen der Lights verzichtet werden kann.

Hierzu fertig man wie gewohnt Lights bzw. Darks an und liest die Temperatur wie folgt aus, um dann die Darks passen einzuordnen oder beim Stacking passend zur Light-Temperatur auszuwählen.

Benötigt werden lediglich zwei kostenlose Programme (vielen Dank an die Autoren dieser beiden Programme, sie sind sehr hilfreich):

1.   ExifTool welches hier zu finden ist

2.   ExifTool GUI, welches eine ordentliche Oberfläche zu Verfügung stellt, und zu hier finden ist

Beide Programme müssen nicht installiert (Win7 64bit) sondern nur in einen Ordner dekomprimiert werden. Zusätzlich muss vom Dateinamen exiftool(-k).exe das (-k) entfertn werden.

 

Startet man nun ExifToolGUI.exe öffnet sich eine GUI. Im linken Fenster wählt man nun den Speicherort der Bilder, von denen man die Temperatur auslesen möchte. Der Inhalt des ausgewählten Ordners findest man im mittleren Fenster.

Alle Informationen (es sind erstaunlich viele), welche die Kamera in den Exifs versteckt können nun im rechten Fenster betrachtet werden. Der für uns interessante Eintrag findet sich im Tab „Maker“ und dann im oberen Viertel – „CameraTemperature“ - . Diesen Wert kann man z.B. im mittleren Fenster direkt in den Bildnamen schreiben.

Eine andere Möglichkeit ist es in der Komandokonsole (CMD) sich eine Liste aller im Ordner befindlichen Dateien zu erzeugen:

Dazu kopiert man alle auszulesenden Dateien in einen Ordner und deponiert dort ebenfalls die exiftool.exe . Anschließend führt man die CMD aus und wechselt in den Ordner. Nun fehlt nur noch ein Befehl um sich die Liste in eine Datei schreiben zu lassen:

exiftool -CameraTemperature -ext CR2 . > temperaturen.txt

 

So lassen sich die Temperaturen zu den einzelnen Fotos relativ schnell auslesen und notieren!

Wie der Name jedoch schon sagt, wird hier lediglich die Kameratemperatur gespeichert! In wie weit diese von der realen Chiptemperatur abweicht konnte ich leider noch nicht messen :( .

Auch ein Anruf bei der Canon-Hotline (ich war von der Schnelligkeit und Freundlichkeit – man rief mich sogar zurück- überrascht) brachte nur die Erkenntnis, dass es sich um ein Firmengeheimnis handelt, wo sich der Temperatursensor in der Kamera befindet….. schade eigentlich.

So lässt sich leider nicht abschätzen, wie stark die gemessene Temperatur von der realen Chiptemperatur abweicht. Allerdings ist die so ausgelesene Temperatur sicherlich genauer bzw. weicht nicht so stark von der realen ab, wie bei der Methode über die Außentemperatur auf die Chiptemperatur rückzuschließen.

   
© T. Steinpilz